Fotografieren ferbieten ferboten!

Fotografierverbote sind  allgegenwärtig – von Sixtinischer Kapelle bis 3-Song-Regel. Künstler beschäftigt das Thema schon länger, etwa den Fotografen Kurt Buchwald, der 1988, zum 150. Geburtstag der Fotografie, damit begann, weltweit Piktogramme mit einem durchgestrichenen Fotoapparat an Aussichtspunkten und Sehenswürdigkeiten aufzustellen – und diese  abzulichten.

Ziel der Aktion, die, wie er schreibt, „immer wieder behindert, ja sogar verboten“ wurde, war es, dem inflationären Bildermachen als „ansteckender Krankheit“ endlich Einhalt zu gebieten.

Einen ganz anderen Fokus hat der Künstler Timm Ulrichs. Er hat Fotoverbotsschilder fotografiert – und die Motive dahinter, die unfotografiert bleiben sollten. Ein anarchischer Dreisprung, den er in seinem Buch Fotografieren verboten! dokumentiert hat und von dem eine Auswahl auf Zeit online zu sehen ist. Besonders gelungen: Das Fotoverbotsschild vor dem Eingang zu einer Ausstellung von: Timm Ullrichs.

Nicht ganz so doppelbödig, aber doch abstrus genug, um hier gezeigt zu werden, ist der Verbotshinweis am Eingang zum Hauptzelt (des ansonsten sehr empfehlenswerten) Baltic Soul Weekender.

Der ein oder die andere hat sich nicht daran gehalten, wie man sieht.

Legitimerweise, wie ich finde, denn: Fotografieren verbieten, selber aber mit der Kamera draufhalten, ist ungefähr so verboten wie das Tragen von

Asiletten oder die Ortografi in der Überschrift zu diesem Posting.

Die Fotofoto-Stilkritik: Ist Nostalgie wirklich von gestern? Eine Replik auf das aktuelle Hipstamatic-Bashing

„Was soll dieser Retrokitsch?“ fragte, das SZ-Magazin vor ein paar Monaten angesichts der explodierenden Anzahl von  Hipstamatic-Shots,

jenen Bildern, die eine Smartphone-App auf Seventies-Look trimmt, in dem sie Unzulänglichkeiten analogen Film- und Printmaterials simnuliert.

Und schien damit den Finger in die richtige Wunde zu legen: Warum eigentlich, so die Autorin sinngemäß, orientieren wir uns an einer rückwärtsgewandten Foto-Ästhetitk, die „die Gegenwart ganz schön alt aussehen“ lässt. Ihr schlagkräftigstes Argument: „Wenn das erwachsene Kind irgendwann in der Zukunft Bilder seiner Großeltern, als sie dreißig waren, und seiner Eltern, als sie dreißig waren, vergleicht und die Fotografie gleich anmutet, dann werden wir uns ziemlich blöd vorkommen“.

Das ist natürlich erstmal nicht von der Hand zu weisen. Andererseits verkennt diese Argumentation zwei Dinge. Erstens, die augenzwinkernde Metaebene, die den Bildern nolens volens eingeschrieben ist – auch wenn das den wenigsten „Hipstamaniacs“ bewusst sein dürfte. Die Fotos sind nämlich derart offensichtlich auf Retro getrimmt und mit unveräußerlichen Hipstamatic-Kennzeichen versehen (der Vergilbungsgrad, das quadratische Format, der typische Ich-Blitz-dich-tot-Pseudoblitz), dass sie eindeutig als Zeitkolorit-Zitat wahrgenommen werden können. Ungefähr so wie Amy Winehouse oder Sharon Jones  den Sound und das Styling der 60ies bis in die  Details analoger Bandmaschinen und Bühnen-Outfits kopieren und trotzdem unverkennbar 21. Jahrhundert sind. Und zweitens: Das tief in die menschlichen Psyche eingeschriebene Verlangen nach Imperfektion. Nach jenen Schönheitsflecken und Schrullen, die echtes Begehren erst ermöglichen. Das zeigt die Renaissance der Vinyl-Schallplatten ebenso wie das vielbeachtete Sofortbild-Unternehmen Impossible Project,

der sagenhafte Erfolg der Polaroidkunst-Reanimateurin Stefanie Schneider,

instanddreams by Stefanie Schneider

 

die Lomo-Community oder die kleine, aber feine Ambrotypie-Szene, die von den herrlichsten Fehlern übersäte Bild-Unikate auf historischen Glasplatten herstellt und der bekannte Fotografen wie Esther Haase oder

jkonradschmidt

 

J. Konrad Schmidt angehören. Und dann ist da ja noch der sagenhafte Erfolg von Instagram, der Social Media-Spielart des von Hipstamatic angestoßenen Retrolook-Booms.

Instagram ist gerade von Facebook  für eine Milliarde  Dollar gekauft worden und zählt 30 Millionen registrierte Nutzer. Die Frage lautet: Können 30 Millionen Fotografen irren? Natürlich können Sie, denn Geschmacksentgleisungen sind nicht  weniger neben der Spur,   weil  Neunzehntel der Bevölkerung entgleisen.

Andererseits gilt auch der Umkehrschluss: Nur weil alle irgendetwas gut finden, ist es nicht automatisch schlecht, siehe Beatles oder Bach.

Wenn überhaupt – da schließe ich mich der Analyse des Cyborgology-Autoren Nathan Jurgenson an -, wird sich das Phänomen überleben, weil der Distinktionsgewinn, die der Look verspricht, von seinem eigenen Erfolg aufgefressen wird: Wenn alle total hipstamatic sind, ist am Ende keiner mehr hip. Das Fazit lautet also: Das Retrolook-Bashing, das sich als  umgekehrte Spielart des  Kulturpessimismus  ausnahmsweise mal nicht gegen die Zukunft, sondern gegen die Vergangenheitssehnsucht richtet, ist ebenfalls nicht mehr ganz taufrisch. Ich jedenfalls habe die vergangenheitssehnsüchtige Hipstamatic-App auf meinem zukunftsweisenden Handy installiert und nutze sie immer mal wieder in der Gegenwart. Das augenzwinkernde  i-Tüpfelchen auf dem halbironischen, halbsehnsüchtigen Bilder-Reigen von vorgestern wäre natürlich dessen Ausgabe in Fotobuch-Form. Zum Beispiel bei  fotofoto.de.

Dionisio Gonzalez: Architektonische Utopien – gebaut mit Kamera, CGI und Photoshop

Slums sind prekäre und potenziell gefährliche Wohnorte, aber sind sie deshalb nur schlecht? Oder kann man aus ihren informellen Strukturen vielleicht sogar etwas lernen? Welche stadtplanerischen Verbesserungen sind denkbar? Und wie lassen sie sich veranschaulichen? Der spanische Fotokünstler Dionisio Gonzalez ist diesen Fragen mit Kamera, CGI und digitaler Bildmontage nachgegangen.

Die Ergebnisse des über vier Jahre unter anderem in den Favelas von Rio de Janeiro und Sao Paolo durchgeführten Projekts sind erstaunlich: Gonzalez ergänzt das auf dem Boden von Armut und Einfallsreichtum erwachsene Häuser-Chaos durch (post-)moderne, dekonstruktivistische oder organische Architektur und erschafft so eine neue, spannungsreiche und zugleich harmonische Ästhetik.

Die Composings, die er meist als gigantische Panoramen ausgibt und in mehreren internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen präsentiert hat, entfalten eine geradezu visionäre Kraft – und heben die Eingangsfragen auf ein höheres Niveau: Kann eine visuelle Neu-Etikettierung Stadtteilentwicklung real vorantreiben?

Kurz: Kann Kunst soziale Wirklichkeit beeinflussen? In einem Interview sagt der sevillanische Fotokünstler, der auch an der dortigen Kunstakademie lehrt, sinngemäß, dass die Kunst zwar nicht das effektivste, wohl aber das freieste Mittel konstruktiver Kritik ist und bezieht sich auf den Versuch der Stadtverwaltungen, die anarchisch wuchernden Stadtteile durch vertikal aufragende Wohnsilos zu ersetzen und so die negativen Aspekte der Favelas zurückzudrängen (eine Idee, die sowohl beim Cingapura Project als auch im Viertel 23 de Enero in Venezuelas Hauptstadt Caracas grandios gescheitert ist).

Gonzalez verweist im Gegenzug auf die positiven Aspekte dieser „informellen” Stadtteile: ihre autonomen, „mobilen“ Strukturen etwa oder die Tatsache, dass sich hier öffentlicher und privater Raum in seltener Weise durchdringen: Strukturen, die in den „offiziellen“ Teilen moderner Städte weitgehend verloren gegangen sind, wie Stadtentwickler und Soziologen wie z. B. Mike Davis beklagen. Seine eigenen Arbeiten erklärt Gonzalez zu einer Art Anti-Panoptikum – einem Gegenentwurf zu der von dem französischen Philosophen Michel Fouccault diagnostizierten Überwachungsgesellschaft.

Nach ähnlich gelagerten Projekten in Vietnam (Halong Bay) und den USA ( Dauphin Island) wendete sich Gonzalez zuletzt mit seinem Projekt „Las horas claras“ Venedig zu – dem perfekten Antipoden zu den Shanty-Towns: Die Lagunenstadt ist nicht nur reich und formvollendet, sondern in ihrer Einzigartigkeit auch zu totaler Immobilität verdammt.

Das fotokompositorische Verfahren bleibt bei „Las horas claras“ unverändert. Gonzalez nimmt architektonische Strukturen, die er  im Rechner konstruiert (in diesem Fall auf der Basis von Gebäudeentwürfen von Stararchitekten wie Frank Lloyd Wright oder Le Corbusier) und pflanzt sie in die (Wasser-)Straßenansichten, die er zuvor fotografiert hat.

Das Ergebnis: Venedig wie es sein könnte, wenn die Gesellschaft der Serenissma eine Weiterentwicklung zubilligen würde.

 

via thejunction.de

Jim Naughtens „Re-enactors“: Die Krieger und der Fotograf

Krieg spielen ist verpönt – jedenfalls hierzulande. Ein wenig anders stellt sich die Situation in Großbritannien dar, wo das möglichst minutiöse Nachstellen historischer Schlachten ziemlich populär und unter der Bezeichnung Re-enacting bekannt ist. Schon das plumpe Ablichten des gespielten Gemetzels gibt motivisch einiges her, wie man hier und hier sieht.

Zu einem echten fotografischen Ereignis wird das Ganze aber erst, wenn ein Konzept dahintersteht. Im Falle des britischen Fotografen Jim Naughten heißt dieses Konzept Isolierung. Naughten reißt die Kriegsdarsteller aus dem Schlachtfeld und damit aus ihrem (schau-)spielerischen Zusammenhang, stellt sie vor eine helle Fotowand, fixiert sie mit seiner Kameraoptik wie ein Insektenforscher einen Käfer und beschriftet die Bilder abschließend mit dem jeweiligen militärischen Rang der Krieger-Darsteller. „Re-enactors nennt der Londoner sein fotografisches Projekt, das er in den letzten Jahren am Rande nachgestellter Schlachten des ersten und zweiten Weltkriegs im südostenglischen Kent verwirklicht hat. Aufnahmeort: ein Pavillonzelt, das er zu einer Art Feldfotostudio umgebaut hat.

 

Die Wirkung der Bilder auf seiner Website, aber noch mehr in dem gleichnamigen, auf edlem Papier gestalteten Bildband, den ich mir kürzlich zugelegt habe, ist durchschlagend: Wir sehen unter anderem: Britische Oberstleutnants, Gefreite der Royal Air Forces, Gasmaskenträger aus dem Ersten Weltkrieg, Nordafrikakrieger in wüstenkompatibler Camouflage, Lazarettkräfte, Kosaken in Sowjet-Uniform oder US-Navys. Besonders populär in der Reenactor-Szene scheinen aber deutsche Kriegsteilnehmer zu sein, pickelhaubige Preußen etwa oder Fallschirmjäger oder Kriegsmarine-Offiziere.

Und natürlich die unterschiedlichsten Ränge der Nazi-Kriegsmaschinerie: Panzerdivisionäre mit Totenkopf-Abzeichen, SS-Oberscharführer, NS-Offiziere, Hitler-Pimpfe. Doch was bitte will uns Naughten mit seinen Krieger-Bildern sagen? Die Frage stellt sich umso mehr, als dass der Fotograf den Portraits keinerlei Informationen über den Menschen hinter der Verkleidung beifügt. Gefragt nach der Botschaft von Re-enactors sagt Naughten in einem Interview, das auf Vimeo zu sehen ist: “So that’s it really. Just the Pictures. Nothing Else”. Coole Antwort, oder? Nächste Frage: Darf man einem mit allen Understatement-Wassern gewaschenen Britten eine solche coole Antwort einfach unhinterfragt durchgehen lassen?

PS: Auch Rainer Elstermann, den wir hier bereits vorgestellt haben, hat Re-enactor fotografiert – in Sachsen-Anhalt, wo jedes Jahr am 2. Mai Hunderte von Menschen die Schlacht bei Großgörschen nachstellen, die die alliierten preußischen und russischen Armeen gegen die französischen Truppen unter Napoleon im Jahre 1813 führten.

 

Original gefakt: Rainer Elstermanns kongeniale Portraitinszenierungen

Zwei junge Frauen mit Turmfrisuren und buntgestreiften Kleidern auf einer alten Vespa, ein Dandy im Anzug mit Fliege am Hals und Super-8-Kamera in der Hand, ein junger Mann, der in kleinkarierten Dreiviertelhosen und mit nacktem, durchtrainierten Oberkörper seine Holzskier in der Hand hält: Das sind einige der Protagonisten aus Rainer Elstermanns Bilderzyklus „Photo-Studio“.

Die Portraitierten sind ausnahmslos Schwarze, die blässliche Anmutung und die gedeckten Farben der Bilder lassen ebenso an die frühen sechziger Jahre denken wie die technischen Gerätschaften und Accessoires, mit denen Portraitierten posieren; ihre Kleidung – teils westliche, teils traditionell afrikanisch – verortet die Aufnahmen in Schwarzafrika.

Der Beitext zu „Photo-Studio“ – zu finden auf der  Website der holländischen Artitled Contemporary Art Gallery, die Elstermann vertritt – präzisiert den Aufnahmeort: ein nairobisches Fotostudio, das der von den afrikanischen Portraitfotostars Samuel Fosso und Malick Sidibé tagträumende Elstermann für die Shootings angemietet hat. Eine gute, nein: eine im wahrsten Sinne des Wortes fantastische Bild-„Legende“. Denn in Wirklichkeit sind die Aufnahmen nicht in den 60ties entstanden und auch nicht in Afrika, sondern im neuen Jahrtausend in Elstermanns Studio in Berlin Mitte, wie die Website an anderer Stelle verrät. Eine handwerklich, konzeptionell und vor allem auch ästhetisch perfekt gelungene Irreführung des Betrachters: Das Auge sieht, was das Auge sehen will. Radikale Konstruktivisten wie Paul Watzlawick hätten sicherlich ihre Freude.

Eine ganz andere und weitaus offensichtlichere Form des Zitats wählt Elstermann für seine „Old masters“ – einer Bilderserie, die die Portraits bekannter Barock- und Renaissancekünstler wie Peter Paul Rubens, Hans Holbein oder Leonardo da Vinci nachstellt. Detail- und epochengetreu bis in die Spitzen der mit Pelz und Brokat veredelten Kleidung oder der hofdämlichen Kopfbedeckungen. Auch hier sind es wieder die Farben und vor allem das für die Portraitkunst der Zeit typische intensive, aber flache Licht, die unsere Augen in die Irre führen.

Auch wenn wir sofort spüren, dass an diesen kunsthistorischen Zitaten irgendetwas seltsam ist, sehen wir es erst auf den zweiten Blick: Elstermann hat sie mit Kindern nachgestellt. Ein gelungener Kunstgriff, der seine  „Old Masters“, anders als die handwerklich perfekte Kopie ( Spiegel-Story), zu Hommagen macht – und  damit selbst wieder zu Originalen. Original, Fälschung, Kopie, Fake  – ein weites und spannendes Feld.

Manfred Kages „Science Art“, oder: Der Mikrokosmos ist schöner als die Wissenschaft erlaubt

Mit etwa zwölf Jahren bekam ich ein Mikroskop geschenkt, und ich erinnere mich noch genau an die freudige Erregung beim ersten Durchschauen, dieses fiebrige Gefühl, etwas zu betrachten, das zwar jederzeit da ist, das ich in diesem Augenblick aber allein zu sehen vermochte. Da saß ich nun in meinem Zimmer und blickte auf die Pantoffeltierchen, die ich mit der beiliegenden Pipette zwischen die Glasträger befördert hatte, Wesen, die sich mit Wimpern fortbewegten und aussahen wie  aus tausendundeinem Science-Fiction. Christoph, der Forscher, nein, besser: der Entdecker.

Prof. Manfred P. Kage, scheint es mit Mitte 70 ähnlich zu ergehen. Wie sonst ließe sich die bodenlose Experimentierfreude erklären, mit der sich der wohl dienstälteste Mikrofotograf der Republik noch heute in die Welt des Mikrokosmos stürzt. Jetzt erhält er den Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) – eine gute Wahl, wie ich finde.

Als „Grenzgänger zwischen Wissenschaft und Kunst ist es ihm im Besonderen zu verdanken, dass die wissenschaftliche Photographie auch im künstlerischen Umfeld wahrgenommen wird“, begründet die DGPh, die den Kulturpreises am 2. Juni 2012 im Deutschen Museum in München überreichen wird, ihre Entscheidung.

Borkenkäfer, Rasterelektronenmikroskopie-14x, Kage Mikrofotografie

Tatsächlich  verkehrte der gelernte Chemie-Ingenieur bereits in den 50er Jahren in Künstlerkreisen und hatte schon früh ein Ziel vor Augen, wie er sagt: „den wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn mit der Ästhetik zu versöhnen“. Gemeinsam mit dem Science-Fiction-Autor und Computerkünstler Herbert W. Franke prägte Kage den Begriff der „Science-Art“ – eine treffende Beschreibung für seine Gratwanderung zwischen Wissenschaft und Kunst.

Vitamin C, Lichtmikroskopie, polarisiertes Licht-60x, Kage Mikrofotografie

Und so sehen seine Bilder auch aus. Vitaminkristalle gehören dazu, die  mit ihrer psychedelischen Einfärbung wirken wie Flower-Power-Schmetterlinge, kampfsternartige Strahlentierchenskelette,  neongrün leuchtende Süßwasseralgen, die wirken wie retrofuturistische Kugel-Lampen in einem angesagtem Electro-Club.

Volvoxalgen Lichtmikroskopie Dunkelfeld-30x, Kage Mikrofotografie

Radiolarie Rasterelektronenmikroskopie-350x, Kage Mikrofotografie

Und natürlich Kages wohl berühmtestes Bild: Die Ameise, die ein Mikrozahnrad an ihrem Fühler trägt.

Ameise mit Mikrozahnrad, Rasterelektronenmikroskopie-30x, Kage Mikrofotografie

Vor Kage sind unter anderem, Stephen Shore, Wolfgang Tillmans, Ed Ruscha, Prof. F.C. Gundlach, Bernd und Hilla Becher, Henri Cartier-Bresson und Man Ray mit dem renommierten DGPH-Preis ausgezeichnet worden. Der Mikrofotografie-Pionier befindet sich also in bester Gesellschaft.

Ich auch. Zwar habe ich meine Ambitionen in Sachen Mikrofotografie frühzeitig an den Nagel gehängt. (Was nicht nur daran lag, dass ich anders als Kage weder ein 63 Zimmer großes Schloss noch Rasterelektronenmikroskope zur Verfügung hatte, sondern vor allem an meiner fehlenden fotokünstlerischen und wissenschaftlichen Begabung).  Dafür gehöre ich als Mitgeschäftsführer von Fotofoto.de zu denjenigen, die die Reproduktion von Bildern ganz gut im Griff hat. Und schnell. Jeder tut eben das, was er kann…

Karnevalistische Nachlese: Der unpolitische Aschermittwoch

Karneval ist wie Rollmops mit Champagner: Geschmackssache – und definitiv keine Kost für Feiglinge.

Denn klar ist: Der Katzenjammer folgt dem Feste auf dem Fuße.

Aber deshalb auf das Dressing für den Kopfsalat verzichten?

Nicht Sulang mer noch am lääve sin.  Wie also lautet das Fazit für die gerade zu Ende gegangene Session? Na, wie immer: Wenn’s diesen Winteraustreiber

nicht gäbe, müsste man ihn erfinden. Fotografisch gesehen bleibt hingegen folgende Erkenntnis: Ein altes Fotohandy in der Hand ist besser als eine neue Spiegelreflex auf dem Dachboden. Vor allem wenn man den  Superschuss vor der Linse hat…

Jake Chessums Promi-Portraits: Augen-Blicke in die Star-Seele

Wie bereits gesagt sind Promi-Portraits ein künst(ler-)ischer Balanceakt. Der Raum für Celebrity-Portraits, die einen Blick unter die Oberfläche ermöglichen, scheint ziemlich begrenzt zwischen der 3-Song-Regel und dem  One-size-fits-it-all-Image der   Musiklabel- und   Künstleragentur-PR-Abteilungen einerseits und den  nicht weniger eindimensionalen „Enthüllungsbildern“ der Boulevardmedien andererseits. Jake Chessum gehört zu den Fotografen, die diesen Raum zu nutzen verstehen.

Entweder in dem er uns einen Blick hinter die mediale Starfassade ermöglicht – wie bei seinem Amy Whinehouse Portraits, das uns einen kurzen Blick in die Seele der im Sommer 2011 verstorbenen Souldiva erlaubt – jenseits von  manischer Selbstinszenierung und depressivem Drogentief.

Oder aber in dem der in London geborene und seit 1999 in New York City lebende Fotograf Charakterzüge der Stars via Inszenierung gekonnt herausarbeitet. So etwa in dem Schwarzweiß-Portrait Micky Rourkes, dass dessen innere Brüche sichtbar werden lässt ohne die Aura zu zerreißen, die ihn umgibt. Oder aber in dem Ganzkörperportrait des inzwischen verstorbenen John Updike:

Der Betrachter sieht durch den Türrahmen eines Hotelzimmers den auf dem Bett sitzenden großen alten Mann der amerikanischen Literatur, die Hände liegen im Schoß. What’s next, Mr Updike?

Via ignant

 

Keine Pornografie. Aber trotzdem verdammt enthüllend…

Pablo Picasso hantiert mit einem Waschlappen in der Badewanne, Michelangelo Antonioni sitzt hinter Jack Nicholson im Flieger und mimt den Meuchelmörder, und Surrealist Salvador Dali geht mit seinem Ameisenbär Gassi oder mit Alice Cooper zechen:

Das Fotoblog „This is not porn“ zeigt andere, im besten Sinne des Wortes abseitige Bilder der Weltstars – von A wie Albert Einstein (mit Einstein-Marionette) bis Y wie Yoko Ono (mit zwei Lennons, einem Who und einem Stone).

Wir sehen : George Harrison, der so tut, als domptiere er ein Ensemble von Show-Delphinen; Stanley Kubrick als Baby auf einer Kühlerhaube im Brooklyn der 1930er Jahre;  den vorpubertären David Bowie, wie er seinen grundschulaltergroßen Bizeps mit dem  Gummiexpander trainiert. Das alles ist erstaunlich und zugleich erfrischend. Denn mit Ausnahme fotografischer Lichtgestalten wie Martin Schoeller oder Platon Antoniou, die ihre Kamera als psychogrammatisches Werkzeug einzusetzen wissen, verhält es sich doch so mit den Starportraits unserer Tage: Entweder sie kommen als hochinszenierte Trugbilder daher, die von PR-Agenten, Image-Beratern und übereifrigen Postproduktionern bis zur Unkenntlichkeit weichgespült wurden. Oder aber sie bedienen als Paparazzi- oder Bürgerbildjournalisten-Scoops die niederen Gelüste des gemeinen Voyeuristen. Die beiläufig am Set gemachten oder aus Privatalben stammenden Star-Ansichten auf „This is not porn“ (Untertitel: This is pure beauty) heben sich wohltuend von diesem visuell weitgehend erschlossenen Land ab. Und bieten uns zumindest ansatzweise die Chance zu verstehen, wie die Ikonen hinter ihrer Fassade ticken könnten. Besonders deutlich wird dieses Stars-sind-auch-nur-Menschen vielleicht beim Doppelportrait von Robert De Niro und Martin Scorsese am Set von „Taxi Driver“: Zwei Jungs in Jeans und mit nackten Füßen, die gebannt und leicht amüsiert auf etwas blicken, das im seitlichen Off stattfindet (eine Filmprojektion?).

„Authentische“ Starfotografie? Wenn schon, dann bitte so! Einer lässt sogar richtig die Hosen runter: Mick Jagger. Der steht neben dem nasebohrenden Keith Richards in einem Hinterhof und streckt dem Betrachter breit grinsend sein Hinterteil entgegen (das  in einer überraschend spießigen  Herrenunterhose steckt). In echt – auch wenn sich das der Borderline-Journalist Tom Kummer nicht besser hätte ausdenken können…

Männer sind…

…nein, nicht nur Schweine, wie Die Ärzte meinen oder „so verletzlich“ wie Grönemeyer behauptet oder Harald Schmidt und Herbert Feuerstein zweifellos sind. Sondern auch Babys – jedenfalls auf der Website mit dem programmatischen Titel Manbabies.

Deren Idee, Männer mit Babgesichtern und Babys mit Männergesichtern zu basteln, in dem man die Köpfe per Bildbearbeitung vertauscht, ist ebenso simpel wie schlagkräftig. Einzigartig aber ist sie nicht, wie ein Blick auf die Seite des Hamburger Fotografen Paul Ripke zeigt.

 

Der nennt seine Bildmontagen schlicht Kindsköpfe und betont im Interview mit dem SZ-Magazin, dass er die Idee nicht von Manbabies geklaut habe und seine Bilder „viel aufwendiger nachbearbeitet“ seien. Wohl war: Mit den Ripke-Kindsköpfen können die meisten Manbabies stilistisch und in Sachen Glaubhaftigkeit nicht annährend mithalten. Dafür kann auf Manbabies jeder mitmachen beim Köpflein-Wechsel-dich-Spiel. Oder sich – gegen eine Schutzgebühr von 15 Dollar (via Paypal) – von den Manbaby-MacherInnen ein eigenes Manbaby machen lassen. So weit so fortpflanzungstechnisch ausgereift. Aber bringt das Konzept nun irgendeinen Erkenntnisgewinn oder die Welt sonst irgendwie weiter? Tja, wenn man Kurzweile als zivilisatorischen Fortschritt sieht. Was ja nicht grundsätzlich verkehrt ist. Überhaupt finde ich, sollten wir uns mehr um die Langeweile kümmern…

via langweiledich.net